05. Dezember
'Arbeitnehmer-Ausverkauf' WOW Welt Kongress in Malta

Der 31. Weltkongress des WBA (Weltbund der Angestellten) beschließt in Malta die Namensänderung und die Fortführung des unabhängigen eigenen Weges. WOW wird die internationale Tätigkeit fortführen und ausbauen. Es wurde geplant, organisiert und diskutiert, jetzt geht es darum die Pläne umzusetzen und gemeinsame Ziele zu erreichen.
FCG/GPA-djp Österreich Bundesgeschäftsführer Günther Trausznitz wird bei dieser wichtigen Konferenz zum Europavorsitzenden und stellvertretenden Weltvorsitzenden der WOW (Weltorganisation der Arbeitnehmer) gewählt.
Von 2. bis 9. November 2008 fand in Malta der Weltkongress des WBA statt, an dem Vertreterinnen verschiedener Gewerkschaften aus 34 Nationen teilgenommen haben. Bedingt durch die Auflösung des WVA, des ehemaligen internationalen Dachverbandes der christlichen Gewerkschaften, hat ja der WBA eigentlich sein Umfeld verloren. Beim letzten Weltkongress des WBA in Indonesien 2004 wurde aber für den Fall der Fusion des sozialistischen und christlichen Weltverbandes die Eigenständigkeit festgelegt, und 2006 kam es ja auch zu dieser Vereinigung. Bei der Konferenz in Malta wurden nun einstimmig die neuen Satzungen und der neue Name, und somit die Eigenständigkeit und Autonomie beschlossen. Diese Gründung der WOW (World Organisation of Workers – Weltorganisation der Arbeitnehmer) ist nicht nur die Fortsetzung der Tätigkeit des WBA, es ist auch von großer Bedeutung für die internationale christliche Gewerkschaftstätigkeit. Die WOW hat derzeit 1,3 Millionen Mitglieder und vereint insgesamt 130 Gewerkschaften aus über 60 Ländern, und ist somit eine durchaus beachtliche, christlich orientierte und weiter wachsende Weltorganisation.
Arbeitnehmer ohne Grenzen
Im Rahmen des Kongresses wurde ein von der EZA und der EU finanziertes Seminar zur Frage des sozialen Dialogs im Bezug auf den flexiblen europäischen Arbeitsmarkt abgehalten. Nach den Ausführungen einer dänischen Soziologin zu den Entwicklungen des europäischen sozialen Dialogs, beleuchteten ReferentInnen aus 3 verschiedenen Ländern die Herausforderungen an die Jugendlichen, die Familien und die älteren ArbeitnehmerInnen. Kernaussagen waren vor allem, dass die Anforderungen der globalisierten Wirtschaft an die ArbeitnehmerInnen im Bezug auf Flexibilität großen Druck auf die Einzelnen ausüben. Hier sind vor allem die regionalen Regierungen, aber auch die zwischenstaatlichen Organisationseinheiten wie die EU gefordert.
Natürlich ist das auch ein Auftrag für die internationalen Gewerkschaften. Es müssen klare Regeln geschaffen werden, um Flexibilisierungsmaßnahmen bzw. –anforderungen zu einer Win-Win Situation für alle Beteiligten zu machen. Jedoch sehen in vielen Ländern die Schwierigkeiten ganz anders als z.B. im reichen Europa aus.
Gerade wir in Österreich blicken zu wenig bewusst über die Grenzen zu unseren ganz nahen Nachbarn. Sogar innerhalb der EU sind die Lebens- und Arbeitsrealitäten unterschiedlich wie Tag und Nacht. Gerade in Osteuropa ist die Situation der Jungen teilweise verheerend, weil neben der hohen Arbeitslosigkeit die Ausbildung und Qualifikationen fehlen. Und wenn man/frau gut qualifiziert ist, sind vernünftige Arbeitsplätze im Lebensumfeld Mangelware. Flexibilität ist hier nicht eine Wirtschaftsanforderung der ArbeitgeberInnen, sondern Teil des wirtschaftlichen Überlebenskampfes der ArbeitnehmerInnen.
Problematik von Frauen am Arbeitsmarkt muss aufgezeigt werden! Ungerechtigkeiten sind zu beseitigen!
Bedingt durch die Auswirkungen unserer Kommunikations- und Mediengesellschaft sind wir (zumindest glauben wir das) gut informiert über alle möglichen Ungerechtigkeiten und Grauslichkeiten die Frauen heute überall auf der Welt erleiden und ertragen müssen. Es ist jedoch etwas ganz anderes sozusagen live und hautnah die Berichte der GewerkschaftsvertreterInnen aus Lateinamerika, Asien, Afrika und auch Europa zu hören.
In jedem Kontinentalbericht wurde der Rolle der Frauen ein eigenes Kapitel gewidmet, und so die jeweilige Problematik gut aufgezeigt. Gerade für eine internationale Gewerkschaftsorganisation ist es wegen der vielen verschiedenen Kulturen und Traditionen umso schwieriger einen Konsens zu finden. Doch allen Delegierten war klar: der Kampf um die Gleichstellung der Frau ist auch ein Kampf der WOW.
Informelle Wirtschaft und sozialer Dialog
Hier taucht ein klarer Widerspruch auf internationaler Ebene auf. Während in den Ländern der dritten Welt und den Schwellenländern die informellen und prekären Arbeitsverhältnisse eher abnehmen, nehmen sie in den reichen Ländern eher zu.
Spannend dabei ist, dass in den Ländern, deren Arbeitsmarkt bereits traditionell von der informellen Wirtschaft geprägt ist, die Gewerkschaftsorganisationen ganz selbstverständlich diese ArbeitnehmerInnen vertreten. Gerade im reichen Europa nehmen die prekären Dienstverhältnisse und die informelle Arbeit rasant zu. Wir müssen die Interessen dieser Kolleginnen vertreten. Ein Kampf gegen die Prekarisierung ist ein von vornherein verlorener Kampf. Es geht darum entsprechende Regelungen zu schaffen und keinen rechtsfreien Raum zuzulassen.
Der soziale Dialog, und das ist Aufgabe der Gewerkschaften, muss auch auf der Ebene der prekären Arbeitsverhältnisse und informellen Wirtschaft hergestellt werden, und zwar sowohl regional als auch international.
Neue Satzungen einstimmig beschlossen!
Zum Abschluss des Kongresses wurden die neuen Satzungen, und somit sowohl die Neubenennung als auch die Eigenständigkeit einstimmig beschlossen. Dies war für einige Mitgliedsorganisationen kein einfacher Schritt, da der Druck der seitens des IGB auf diese Gewerkschaften ausgeübt wird recht groß ist.
Im Rahmen der Konferenz wurde die engagierte internationale Arbeit von Roel Rotshuizen und Günther Trausznitz durch ein klares und einstimmiges Votum bestätigt. Ersterer wurde zum Weltvorsitzenden und zweiterer zum Vorsitzenden der europäischen Organisation und auch zum stellvertretenden Weltvorsitzenden gewählt.
Bjørn van Heusden
Geschäftsführende Sekretär





