Work-Life-Balance: eine ständige Herausforderung!

Brüssel, 18 April 2011 – Gemeinsam mit der Europäischen Organisation der Weltorganisation der Arbeitnehmer (EO/WOW) und dem Europäischen Zentrum für Arbeitnehmerfragen (EZA) und mit der Unterstützung der europäischen Kommission organisierte KRIFA (Dänemark) am 07. und 08. April 2011 ein Europaseminar. Das Thema des Seminars lautetet: “Work-life-balance: Chancengleichheit für Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt, Kompatibilität von Berufs- und Familienleben”. Mehr als 50 Gewerkschaftsführer/innen aus dreizehn EU Ländern nahmen an diesem Seminar in Berlin, Deutschland teil.
Innerhalb der Europäischen Union ist die Verbesserung der Work-Life-Balance ein konstanter Diskussionspunkt. Und angesichts der demografischen Entwicklung und der zunehmenden Anzahl gut ausgebildeter Frauen auf dem Arbeitsmarkt wird es auch weiterhin ein wichtiges Thema bleiben. Dies verändert (heutzutage und in den kommenden Jahren) die seit langem bestehenden kulturellen Muster vom Mann, der den Unterhalt verdient und von den Frauen, die dafür sorgen, dass der Haushalt so reibungslos wie möglich verläuft.
Heutzutage ist es in der Regel aber noch so, dass der Arbeitsmarkt in traditionelle Jobs für Männer und für Frauen aufgeteilt ist. Technische Berufe sind immer noch der Bereich der Männer, wogegen Pflegeberufe den Frauen zugesprochen werden.
Gleichzeitig stellen wir die Tendenz fest, diese traditionellen Unterschiede ändern zu wollen. In vielen Ländern wurden die Diskussionen zur Frauenquote gestartet. Dies würde zum Beispiel die Gegenwart von Frauen in Unternehmensgremien oder in CEO-Positionen sichern. In vielen Unternehmen ist dies noch nicht der Fall.
Die Suche nach einer gesunden Balance (sowohl für Männer als auch für Frauen) ist entscheiden, wenn es sich um die Kombination von Beruf und Familie geht. Für viele Menschen führt die heutige Organisation des Arbeitsmarktes zu sehr viel Stressbelastung. Laut Frau Gitte Krogh Nørgaard sind 50 – 60% des Verlustes von Arbeitsstunden auf Stress zurückzuführen. Besonders Frauen sind sehr mehr Stress ausgesetzt, da sie bezahlte Arbeit und Arbeit in ihrem Haushalt kombinieren müssen.
Frau Dorthe Lilleris, HR-Manager bei KRIFA, Dänemark meint, dass Work-Life-Blance ein weit gefasster Begriff ist, der eine angemessene Priorisierung zwischen Beruf und Arbeit verlangt. Die meisten werden nicht durch die Arbeit gestresst und auch nicht durch die Familie. Die Ungleichheit entsteht dann, wenn diese beiden Bereiche aufeinander prallen. Sowohl Arbeitnehmer/innen als auch Arbeitgeber/innen sind dafür verantwortlich, geeignete Lösungen für beide Parteien zu finden.
Unter Punkt 6 der Corporate Mission von BIOTRONIK heißt es: ‘Unsere Mitarbeiter sind unser wertvollstes Kapital’. Durch ständigen Dialog mit den Mitarbeitern versucht BIOTRONIK ihre Zufriedenheit und ein angenehmes Arbeitsumfeld zu sichern. BIOTRONIK betrachtet die Meinung der Mitarbeiter als sehr wichtig. Die Gespräche mit Vertreter/innen des Betriebsrates führten zu interessanten Diskussionen. Tatsächlich weist BIOTRONIK in Sachen Kombination von Berufs- und Familienleben eine sehr gute Entwicklung auf.
Herr Peter Weiß, Präsident der Gruppe für die Vertretung der Arbeitnehmerinteressen innerhalb der CDU-CSU Bundestagsfraktion und Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales im Deutschen Bundestag, betont die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Politik und Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen allgemein und der Work-Life-Balance spezifisch. Dies sollte auf nationaler, europäischer und sogar auf globaler Ebene unternommen werden.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die psychologischen Belastungen dramatisch zugenommen. Dies führt zu enormen Kosten auf nationaler Ebene. Für die beteiligten Personen kann diese Belastung zu unwiderruflichen Schäden mit Langzeitauswirkung führen. Für die Arbeitgeber/innen kann sie Personalausfall und somit Produktivitätsrückgang bewirken. Mehrbelastung für die Anwesenden, Know-how-Verlust (falls jemand mit einem Burnout als Ergebnis konfrontiert ist), usw.
Immer mehr Arbeitgeber/innen erkennen die Problematik im Zusammenhang mit der Work-Life-Balance und sie versuchen Verbesserungen einzuführen. Und das müssen sie auch, denn immer weniger Menschen sind bereit, einer Berufskarriere nachzugehen und auf ihr Privat- und Familienleben zu verzichten.
Die Förderung von Familien freundlicher Arbeit ist ein Paradebeispiel der nachhaltigen Familien freundlichen Politik der christlich-liberalen Regierungskoalition. Diese Koalition hat sich dem Ziel verschrieben, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Langfristiges Ziel ist die Chancengleichheit von Männern und Frauen.
Dies wurde durch den stellvertretenden Präsident des DHV Herr Henning Röders bestätigt. Work-Life-Balance kennt keine Grenzen. Die Europäische Union ist konfrontiert mit dem demografischen Wandel, der voraussichtlich große Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage der Union haben wird. In Zukunft werden wir noch mehr gut ausgebildete Menschen benötigen, um das gleiche wirtschaftliche Niveau wie jetzt beizubehalten. Die EU verzeichnet eine sehr niedrige Geburtenrate. Und das wird sich auch nicht so schnell ändern. Was wir jedoch kurzfristig ändern können, ist die bessere Integration der Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Dies bedeutet, dass wir Frauen in Spitzenpositionen offener gegenüber stehen müssen. Noch immer eine Männerdomäne. Darüber hinaus sollte gleiche Bezahlung in Zukunft gefördert und gewährleistet werden.
Auch sehen wir, dass Frauen im Allgemeinen mehr Teilzeit arbeiten als Männer. Und obwohl Männer mehr Vollzeitarbeitsplätze einnehmen wird davon ausgegangen, dass sich diese Situation in Zukunft in mehr Teilzeitarbeit und flexible Jobs umwandeln wird. Obwohl Teilzeitarbeit sehr oft eine bessere Work-Life-Balance erstellt, löst sie nicht alle Probleme in diesem Verband. Ein Grossteil an Frauen und Männer fühlen sich mehrere Male pro Woche/Monat gestresst. Hier haben die Sozialpartner (Arbeitgeber/Arbeitnehmer) eine wichtige Rolle zu spielen, um ein Umdenken der Kulturen und flexible Arbeits-(Zeit)-Arrangements zu erreichen.
Eine gute Work-Life-Balance ist schwer zu erreichen. Die Interessen der Arbeitgeber/innen stimmen nicht immer unbedingt mit denen der Arbeitnehmer/innen überein. Und dies führt irgendwann zum Zusammenstoss. Sowohl zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, als auch zwischen Beruf und Privatleben. Jedoch gibt es keine Allgemeinlösung, um das Gleichgewicht zu erreichen. Deshalb sollte Raum für maßgeschneiderte Vereinbarungen der Arbeitsbedingungen eingerichtet werden.
Wir alle sind hier auf Erden, um einen Zweck zu erfüllen. Ein guter und befriedigender Job ist wichtig, aber es geht sich um mehr als das. Die Menschen sind selber dafür verantwortlich, ihre eigene Zweckerfüllung zu finden, wobei gute Richtlinien und Gesetzgebungen die grundlegenden Regeln voraussetzen sollten. Als Gewerkschaftler ist es unsere Pflicht, Hilfestellung bei der Entwicklung der grundlegenden Regeln zur Unterstützung der Arbeiter/innen zu leisten, die selber Schwierigkeiten dabei empfinden. Jedoch ist noch immer eine Menge zu gewinnen.
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