“Sozialdialog und Jugend: eine Hass-Liebesbeziehung!”

Brüssel, 09. September 2011 - Am 01. und 02. September 2011 organisierte die Europäische Organisation der Weltorganisation der Arbeitnehmer – WOW mit der Unterstützung von Federació d’Estalvia de Catalunya (FEC-CAT) und Fuerza Sindical Empleados de Cajas (FEC) ein europäisches Seminar in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für Arbeitnehmerfragen (EZA) und mit der Unterstützung der europäischen Kommission. Das Thema des Seminars lautete: “Sozialdialog und Jugend: eine Hass-Liebesbeziehung!”. 48 Gewerkschaftsführer/innen aus zwölf EU-Ländern nahmen an dem Seminar teil, das in Barcelona, Spanien stattfand.
Das Seminar befasste sich mit der Situation der Jugend im Prozess der europäischen Erweiterung und Integration. Traditionsgemäß haben Jugend und jugendlichen Arbeitnehmer/innen innerhalb der europäischen Union auf dem Arbeitsmarkt einen schweren Stand. Sie verfügen noch nicht über die Erfahrung älterer Arbeitnehmer/innen und werden sehr oft als ungeeignet für den Job angesehen. Diese Auffassung ist problematisch, denn es bedarf einer Arbeit, um notwendige Erfahrung und praktisches Wissen zu erlangen. Zusätzlich arbeiten jugendliche Arbeitnehmer/innen sehr oft in Sektoren, die den Auswirkungen der laufenden Krise am meisten ausgesetzt sind und sehr oft wird ihnen nur ein zeitbegrenzter Vertrag zugestanden.
Das Seminar begann mit einer Einführung zur EU Jugendpolitik durch Frau Beryl ter Haar, PhD-Kandidatin an der juristischen Fakultät der Universität Leiden (Niederlande). Betrachtet man die EU Jugendpolitik über die Jahre, so kann man feststellen, dass sie ein wichtiges Element ist. Jedoch fällt die Tatsache auf, dass es sogar noch heutzutage keinerlei gesetzliche Grundlage in den EU-Verträgen in Sachen Jugendpolitik gibt. Alles geschieht gemäß gutem Willen der EU-Mitgliedstaaten. Ein weiteres Problem der laufenden Jugendpolitik ist die Tatsache, dass diese Strategien nicht einbezogen werden. Die Jugend wird nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen. Und hier können sowohl Gewerkschaften als auch andere Organisationen ansetzen, die mit der Position der Jugend involviert sind. Es gibt zahlreiche Instrumente, aber schlussendlich fehlt ein sehr wichtiges: der (Sozial)-Dialog. Die Sozialpartner sind nicht sehr stark an der Entwicklung der EU-Politik beteiligt.
Herr Gregorio González Roldán vom Instituto Regional de las Cualificaciones de la Comunidad de Madrid – IRCUAL (Spanien) gab eine Übersicht über die laufende Situation der Jugend in Spanien. Spanien wurde mit am härtesten durch die Krise getroffen und weist eine der höchsten Arbeitslosenraten der EU auf (je nach Region zwischen 40% – 50%). Traditionsgemäß zahlt Spanien seinen Arbeitnehmer/innen sehr niedrige Löhne. Dies ist noch zutreffender für die Jugend. Eines der wichtigsten Diskussionspunkte in Spanien ist das Bildungssystem, das je nach Region unterschiedlich ausfällt. Spanien weist eine hohe Rate an Schulabbrechern und Jugend ohne Abschluss auf, wodurch die Arbeitssuche noch schwieriger wird. Für diese Jugendlichen gibt es nur wenige Möglichkeiten. Es sollte Aufgabe der Regierung sein, diese Jugendlichen zu unterstützen, aber nichts dergleichen wird gemacht. Auch haben die Regionen hier eine Verantwortung zu tragen. So kann festgestellt werden, dass gewisse Regionen besser (oder schlechter) als andere abschneiden. Hier besteht eine eindeutige Notwendigkeit eines gemeinsamen Bildungsrahmens.
Frau Rimantė Ribačiauskaitė, Koordinatorin für internationale Beziehungen des litauischen Jugendrates in Litauen - LiJOT (Litauen) besprach die Lage der Jugend in Litauen. Die Probleme sind in allen EU-Ländern ähnlich. Der Unterschied wird durch die wirtschaftliche Lage des Landes verursacht und dadurch, wie die Regierung die Probleme handhabt. Gemäß Daten ist die aktuelle junge Generation die am besten ausgebildete in der Geschichte Europas. Trotz des Bildungsniveaus haben alle Jugendlichen Schwierigkeiten, einen Job zu finden. Dies hat Auswirkungen auf die Migrationsstatistiken. 38 560 junge Menschen im Alter zwischen 14 und 29 emigrierten im Jahre 2010 aus Litauen (kurz- und langfristig), während 67% gerne im Ausland arbeiten würden. Die Regierung Litauens bietet der Jugend zahlreiche Möglichkeiten, um ihre (Wieder)-Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, aber bisher konnten die Probleme der Arbeitslosigkeit nicht gelöst werden.
Zusätzlich zu dem, was sie Regierung unternehmen kann, gibt es hier auch eine Rolle für die Arbeitnehmerorganisationen zu spielen. Arbeitnehmerverbände verstärken ihre Bemühungen um die Beteiligung der Jugend in den Gewerkschaften und sind zusätzlich bemüht, ihre Tätigkeit für die Jugend attraktiver zu gestalten. Aufgrund der sehr schwierigen Situation der Jugend auf dem Arbeitsmarkt ist es wichtig, das Gefühl aufkommen zu lassen, dass trotz der unsicheren Arbeitsmarktlage oder Arbeitslosigkeit die Jugend sehr wichtig für die Arbeitnehmerorganisationen ist. Jugend ist nicht alleine die Zukunft! Jugend ist auch jetzt!
Dies wurde bestätigt durch Frau Anna Maria Darmanin, Vizepräsidentin des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses – EESC (Malta). Oft wird über die Jugend gesprochen, aber wie viele sind eigentlich an Gewerkschaften beteiligt? Es besteht ein verstärktes Bedürfnis nach Selbstanalyse und danach, seine eigenen Organisation und Struktur in Sachen Position gegenüber Jugendliche in Frage zu stellen. Ziehen Arbeitnehmerverbände wirklich Jugendliche an? Und welche Mittel sollten eingesetzt werden, um mit Jugendlichen in Kontakt zu kommen? Und sind diese Mittel erfolgreich? Jugendarbeitslosigkeit ist immer Teil des Arbeitsmarktes gewesen. Das ist nichts Neues. Die laufende Krise hat dies noch verstärkt und sichtbarer gemacht. Daher sollten wir uns auch selber die Frage stellen, was wir falsch machen.
Herr IJmert Muilwijk, Präsident CNV Jongeren (Niederlande) teilte diese Auffassung und meinte, dass die Rolle der Gewerkschaften sich von Re-aktiv zu Pro-aktiv ändern und dass sie visionärer gestaltet werden müsse. Arbeitnehmerverbände sollten der Jugend gleichfalls eine Plattform anbieten, in der sie sich selber entwickeln und individuelle Unterstützung erhalten können. Die Niederlande haben eine relativ gute Position im Vergleich zu den anderen EU-Ländern. Dennoch ist die Regierung stark involviert in Jugendpolitik, um weiterhin die Arbeitslosenrate zu senken und dabei drei Arbeitsschwerpunkte zu fördern: Bildung, Arbeitsmarktpolitik und Bildungsarbeitsmarkt. Wobei das Wichtigste dabei ist, die Jugend weiterhin zu involvieren und zu interessieren und somit zu vermeiden, dass eine so genannte verlorene Generation entsteht.
Auch umfasste das Seminar Arbeitsgruppen, in denen die Gewerkschaftsführer/innen die Probleme diskutieren konnten, denen sie in ihrem Heimatland entgegen treten müssen. Dies führte zu interessanten Gesprächen mit einigen interessanten Resultaten. Man kann feststellen, dass, obwohl wir alle Teil der europäischen Union sind, die Unterschiede zwischen den Ländern sehr vielfältig sind. Dies wurde auch durch die Teilnehmer/innen an der Podiumsdiskussion bestätigt. Obwohl die Probleme in den jeweiligen Ländern gleichartig sind, so fallen ihre Lösungen in einigen Fällen gänzlich unterschiedlich aus.
Was aus dem Seminar als Schlussfolgerung hervorgeht ist die Tatsache, dass der Situation der Jugend mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Obwohl sie seit jeher eine besondere Stellung auf dem Arbeitsmarkt mit niedriger Jobsicherheit und hohen Arbeitslosenraten hatte, so sollten wir trotzdem allmählich zu einer Meinungsänderung über die Jugend gelangen. Sie ist und wird auch weiterhin sehr wichtig für den Arbeitsmarkt sein. Es ist unsere Aufgabe, die Jugend zu involvieren und ihr Interesse zu wecken, so dass sie für ihre Aufgabe gut vorbereitet ist. Wir sollten das Aufkommen einer verlorenen Generation vermeiden. Um dies zu vermeiden, müssen alle Sozialpartner jetzt handeln. Weil Jugend nicht alleine die Zukunft ausmacht! Weil Jugend jetzt ist! Wenn wir nicht handeln, dann werden wir mit den Auswirkungen in der Zukunft konfrontiert werden. Und diese Zukunft ist näher, als wir denken.
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