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Ein verbundener digitaler Binnenmarkt und Veränderung der Beschäftigung. Was sind die Auswirkungen für VerbraucherInnen, ArbeitnehmerInnen und Gewerkschaften?

 

Brüssel, 11. Februar 2017 - Wie die Website der Europäischen Kommission besagt: "Ein digitaler Binnenmarkt ist derjenige, in dem der freie Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital gewährleistet ist und wo Bürger, Einzelpersonen und Unternehmen nahtlos Zugang zu Online-Aktivitäten haben und sie ausüben können unter den Bedingungen eines fairen Wettbewerbs und einem hohen Maß an Verbraucherschutz und personenbezogenem Datenschutz, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit oder ihrem Wohnort". Das Ziel des digitalen Binnenmarktes ist der Abbau der regulierenden Hindernisse und der schlussendliche Übergang von 28 nationalen Märkten zu einem einzigen. Ein voll funktionsfähiger digitaler Binnenmarkt könnte jährlich 415 Milliarden Euro zu unserer Wirtschaft beitragen und Hunderttausende von neuen Arbeitsplätzen schaffen.

Alles das klingt fast zu gut um wahr zu sein. Es scheinen nur positive Dinge aus dem DBM zu entstehen. Der DBM hat eindeutig Vorteile für Menschen im Allgemeinen, aber man sollte nicht die möglicherweise negativen Auswirkungen für einen Teil der Menschen verwerfen.

Vom 08. bis 10. Februar 2017 veranstaltete Krifa und die Weltorganisation der Arbeitnehmer (WOW) in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für Arbeitnehmerfragen (EZA) und mit der Unterstützung der Europäischen Kommission, ein Seminar mit dem Titel "Ein verbundener digitaler Binnenmarkt und Veränderung der Beschäftigun. Was sind die Auswirkungen für VerbraucherInnen, ArbeitnehmerInnen und Gewerkschaften?". Der Schwerpunkt des Seminars lag in den Implikationen einer ständig wachsenden digitalen Arbeitswelt. Das Seminar fand in St. Julians, Malta statt und wurde von 44 Personen (einschließlich Experten und technische Unterstützung) aus dreizehn EU-Mitgliedstaaten und Beitrittsländern besucht.

Frau Sonia Jemmotte, Politikanalytikerin, GD Beschäftigung, Soziales und Integration, Europäische Kommission (Belgien), eröffnete das Seminar mit der Feststellung, dass es eine theoretische Beziehung zwischen IKT und Arbeit gibt. Auf der einen Seite gibt es den Substitutionseffekt (Kapital-Arbeitssubstitution = IKT-getriebene Innovationen, so dass Roboter direkt menschliche Berufe ersetzen = Maschinen, die Arbeitskräfte ersetzen), andererseits den Kompensationseffekt (positive Auswirkungen auf die Beschäftigung = neue Chancen und Nachfrage = Innovationen führen zur Vermarktung neuer Produkte und zur Nachfrage nach neuen Ausrüstungen). Der Standpunkt der Europäischen Kommission im Allgemeinen ist, dass es eine Erhöhung der Arbeitsplätze geben wird. Andere sagen jedoch, dass viele Arbeitsplätze verloren gehen werden (in den USA 47% bis zum Jahr 2020).

Hon. Claudio Grech, Mitglied des Parlaments der Nationalistischen Partei im Repräsentantenhaus von Malta und Schattenminister für Wirtschaft (Malta) betonte, dass die Digitalisierung harmonisiert werden sollte und dass es stärkere Anreize für eine Investition in die digitale Infrastruktur geben sollte. "Digitalisierung kann nicht nur eine technologische Entwicklung sein. Man sollte auch die sozialen Auswirkungen betrachten". Die Herausforderung ist die Bildung und die Konzentration auf eine starke Innovationspolitik. Das wird entscheidend sein und etwas, das Gewerkschaft und Regierungen vorantreiben müssen. Wenn nicht, werden wir am Ende mit Menschen dastehen, denen die notwendigen Fähigkeiten fehlen, wodurch eine Teilung in der Gesellschaft geschaffen wird.

Frau Dr. Barbara Angleitner, Institut für Höhere Studien, Forschungsgruppe Sicherheit, Inklusion & sozialer Dialog (Österreich) stimmte teilweise mit dem überein, was die VorrednerInnen erklärten und betonte, dass "struktureller Wandel durch Digitalisierung nicht zuverlässig vorhersehbar ist". Der technologische Fortschritt wird die Arbeitsplätze verändern und gewisse werden verloren gehen, aber auch neue werden geschaffen. Die Nachfrage nach routinemäßigen und manuellen Aufgaben wird abnehmen, aber es wird eine Forderung nach hochqualifizierten Aufgaben, Problemlösungen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten bestehen bleiben. Natürlich kann dies eine Lücke zwischen denen verursachen, die digital geschult sind und denjenigen, die es nicht sind.

Dies wurde von Herrn Norbert Klein, Seminare und Forschung am Europäischen Zentrum für Arbeitnehmerfragen - EZA (Deutschland) bestätigt. Bildung/Ausbildung wird in einer digitalisierten Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung gewinnen. Man muss weiter studieren, um attraktiv zu bleiben. Aber es wird zunehmend das Leben der ArbeiterInnen und ihrer Familien beeinflussen. Diese gesellschaftsethischen Erwägungen sollten nicht aus den Augen verloren gehen.

Herr Josef Vella, Vorstandsvorsitzender von UĦM Voice of the Workers (Malta), erklärte: "Es ist nicht zu leugnen, dass sich die Beschäftigungslandschaft und der Arbeitsmarkt deutlich verändern, während sich die Nachfrage auf verschiedene Arten von Beschäftigung verlagert. Technologie schreitet schnell voran und Reichtum wird geschaffen, aber es gibt keine Garantie, dass jeder davon profitieren wird. Deshalb wäre es besser, mit der Maschine zu fahren, als dagegen.

Während der zwei Breakout-Sitzungen (Breakout-Sitzung A: Digitalisierung und Robotisierung für Beschäftigung und Breakout-Sitzung B: Der digitale Arbeitsmarkt - Chancen und Herausforderungen für die ArbeitnehmerInnen) diskutierten die TeilnehmerInnen in Gruppen ihre Erwartungen, Ängste etc. über die zunehmenden Implikationen der Digitalisierung. Während eine allgemeine Ungewissheit darüber herrscht, was da kommt, gibt es auch viele, die die positive Seite dieser Entwicklungen sehen.

In ihrer Präsentation konzentrierte Frau Ivette Schuitema, Community-Spezialistin und Projektleiterin von Je Achterban, CNV Vakmensen (Niederlande) sich auf einige der positiven Seiten der Digitalisierung. Viele Gewerkschaften suchen immer noch eine Verbindung mit Menschen und möglichen neuen Mitgliedern auf traditionelle Weise. In ihrem Beitrag mit dem Titel "Unsere Online-Community: Ein Weg, um das Engagement für kollektive Arbeitsverträge zu erhöhen", betonte sie die Bedeutung der Nutzung aller verfügbaren technologischen Tools, um sichtbarer zu werden. Die Online-Community ist ein Mittel, um potenzielle Mitglieder zu gewinnen, relevant zu bleiben und auch für Nicht-Mitglieder sichtbar zu sein.

Herr Gejtu Vella, Direktor People at Work Consultancy (Malta) sagte, dass "Technologie die Welt der Arbeit verändert und die Arbeitsmärkte neu gestaltet. Diese Veränderungen haben auch erhebliche Auswirkungen auf die Beschäftigung. Es gibt einen Konsens da draußen, dass die Technik die ArbeitnehmerInnen in jedem Job der Zukunft ergänzen wird. Einige der heutigen Arbeitsplätze werden wahrscheinlich durch Technologie ersetzt werden. Dies bedeutet, dass die Arbeitsplätze der Zukunft entweder digitale Arbeitsplätze oder Arbeitsplätze sind, die digitale Werkzeuge verwenden. Die Auflösung bestimmter Arten von Berufen bedeutet nicht, dass diese vielen Menschen arbeitslos werden. Dies ist, weil einige von denen, die in diesen Berufen arbeiten, erfolgreich zu anderen Arbeitsplätzen übergehen werden. Es ist auch, weil in der Zukunft neue Berufe existieren werden, die heute nicht existieren könnten".

Herr Søren Fibiger Olesen, Präsident Krifa (Dänemark) betonte, dass "Digitalisierung, Automatisierung und die gemeinsame Wirtschaft einen enormen Einfluss auf den Arbeitsmarkt der Zukunft haben werden. Sie wird alle Sektoren auf allen Ebenen verändern. Wir können diese Entwicklung nicht stoppen - also muss sie geregelt und kontrolliert werden. Als verantwortliche Gewerkschaften können wir nicht die Entwicklung einfach der Kontrolle der Marktkräfte überlassen. Wir müssen aktiv sein und einen Dialog mit den ArbeitgeberInnen und Regierungen über die notwendige Regulierung angehen, um das notwendige Gleichgewicht zwischen Marktkräften und Regulierung zu schaffen. Wenn wir es nicht tun, werden wir unserer Verantwortung gegenüber den Schwächsten und Anfälligsten in unserer Gesellschaft nicht gerecht". Dazu gehören auch die ethischen Erwägungen. "Es ist wichtig, dass wir als MitarbeiterInnen weiterhin Vertrauen haben können, dass die Systeme für Menschen gemacht wurden und nicht umgekehrt."

Digitalisierung ist hier und wird bleiben. Wir müssen das erkennen und uns darauf vorbereiten. Durch ständige Weiterbildung und durch Festlegung der Regeln. Dies wird ein konstanter Prozess sein, da die Entwicklungen so schnell gehen. Aber wir sollten auch erkennen, dass die Technik dem Menschen dienen soll und nicht umgekehrt. Das richtige Gleichgewicht zu finden, wird eine Herausforderung sein, aber es ist uns bei der vergangenen industriellen Revolution gelungen, so sollten wir auch jetzt positiv bleiben und für diese Herausforderung gleichfalls Lösungen finden. Dies sollte ein gemeinsames Ziel für alle sein
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