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Gute Praktiken für gesunde Arbeitsplätze: Lasst uns voneinander lernen

 

Belgrad, 18. März 2017 - Die Weltorganisation der Arbeitnehmer (WOW), in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für Arbeitnehmerfragen (EZA) und der Autonomen Gewerkschaft der ArbeitnehmerInnen in Banken, Versicherungsgesellschaften und anderen Finanzinstituten Serbiens (SS BOFOS), mit Unterstützung der europäischen Kommission, organisierte ein Seminar zum Thema: "Gute Praktiken für gesunde Arbeitsplätze: Lasst uns voneinander lernen", das vom 16. bis 18. März 2017 in Belgrad im Hotel Moskau abgehalten wurde.

Das Seminar konzentrierte sich auf drei wichtige Themen: Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz als Thema im Rahmen des sozialen Dialogs mit den Beispielen guter Praxis; die 2016-17 Kampagne der Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz: Gesunde Arbeitsplätze für alle Altersklassen; sowie Vorbeugung von Stress als Teil einer Reihe von Fragen im Zusammenhang mit Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.

Sigrid Schraml, Generalsekretärin des Europäischen Zentrums für Arbeitnehmerfragen (EZA), stellt das EZA vor mit der Aussage, dass seine Arbeit auf christliche Werte beruht. Das Ziel ist nicht alleine die Wissensvermittlung, sondern den Menschen ermöglichen, in Übereinstimmung mit dem übertragenen Wissen zu handeln.

Bjørn van Heusden, Exekutivsekretär der Weltorganisation der Arbeiter (WOW), meint, dass die WOW seit vielen Jahren EZA-Partner ist. Das Thema des Seminars ist sehr interessant und aktuell, meint er.

Mara Erdelj, Präsidentin des SS BOFOS, begrüßt alle Teilnehmer und eröffnete das Seminar.

Das Seminar beginnt mit dem Beitrag von Tsvetomir Tsanev. Er erklärt, dass die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz - EU OSHA eine dreigliedrige Organisation ist, die keine Gesetzgebung vorbereitet, sondern lediglich Informationen verbreitet. Ihre aktuelle Kampagne 2016-17: Gesunde Arbeitsplätze für alle Altersklassen; die Herausforderungen für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz in Zusammenhang mit dem Alter. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Sammlung von Informationen. "Wir sind Zeuge der Tatsache, dass die Menschen heute länger leben, die Bevölkerung altert, die Geburtenrate niedrig ausfällt und ältere Menschen angestellt sind und dass es notwendig ist, das Rentensystem zu reformieren, um die Belastung der Regierung zu verringern. Das Hauptziel unserer Kampagne ist die Förderung von nachhaltiger Arbeit und gesundem Altern.

Miodrag Loncović, Berater in der Abteilung für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz im Ministerium für Arbeit, Beschäftigung, Veteranen und soziale Angelegenheiten, meint, dass die größte Verantwortung beim Arbeitgeber/bei der Arbeitgeberin liegt, weil es an ihnen ist, ein gesunde Arbeitsumfeld zu schaffen. In Bezug auf Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sieht das serbische Gesetz vor, dass die Anzahl ArbeitnehmerInnen-Vertretungen zahlreicher ausfallen als die der ArbeitgeberInnen. Ein Merkmal unseres Systems ist das alle, die einer Tätigkeiten im Zusammenhang mit Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz nachgehen, eine Sachverständigen-Befähigung ablegen müssen. Die Aussetzung gegenüber Stress ist eines der größten Risiken am Arbeitsplatz (wie von 53% der Arbeitnehmer/innen angegeben), 27% der Arbeitnehmer/innen leiden unter Stress, Depressionen oder Angstzuständen, die durch die Arbeit verursacht oder verstärkt werden, sagt Loncović (Eurobarometer-Daten (2014)). Der/die Arbeitgeber/in sollte Risikobewertung durchführen lassen.

Zoran Nedeljković, Geschäftsführer von "Rudnik (Bergwerk) Flotation" und Ljiljana Obrenović, Berater für Umweltfragen im gleichen Unternehmen, präsentieren "Die umfassende Umsetzung sicherer und gesunder Arbeitsbedingungen für alle Mitarbeiter/innen mit kontinuierlicher Anwendung und Änderung des Gesetzes zur Risikobewertung". Der neue Besitzer von "Rudnik" erkannte, dass die Arbeitnehmerschaft wertvoll ist als zuvor anerkannt. "Wir sind alle Kinder von Bergleuten und 70% der Angestellten bei "Rudnik" stammen aus der Umgebung der Bergwerke". Mit unseren Gewerkschaften haben wir uns geeinigt und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir alle "auf der gleichen Seite sehen". Erfolgreiche Privatisierung hat gewonnen. "Rudnik" hat ein integriertes Managementsystem eingeführt, mit besserem Nachvollzug von Produktions- und Sicherheitssystemen. Jede(r) Arbeitnehmer/in erhält eine Broschüre über Arbeitsschutz und es gibt eine konstante Weiterbildung zum Arbeitsschutz. Ältere ArbeitnehmerInnen haben sehr gute Voraussetzungen für die Erweiterung des Erwerbslebens, die an neu erworbenen Arbeitsplätzen doppelt so hoch ausfallen als die Rente, falls sie sich zurückziehen wollen.

Chris Walsh, Geschäftsführer bei Wise Age Ltd. und Mitglied der europäischen Organisation AGE Platform Europe aus Großbritannien, sagt, dass AGE Platform eine hervorragende Plattform für die Verbreitung bewährter Praktiken sei. Heutzutage sind 70% der Beschäftigten im Vereinigten Königreich älter als 50 Jahre. Leider haben wir heute eine große Anzahl von Arbeitslosen, die älter als 50 sind, weil wenn sie ihren Job verlieren ist es schwierig für sie, eine neue Beschäftigung zu finden. Wenn wir schon gefragt werden länger zu arbeiten, dann ist das Mindeste, was wir tun können, Druck auszuüben, damit die Einstellung ältere Arbeitnehmer/innen ermöglicht wird. Ältere Arbeitnehmer/innen können Schulungen leiten, Arbeitsgänge begleiten. Ältere ArbeitnehmerInnen sind den junge Menschen sehr oft eine Stütze. Die Gesellschaft insgesamt sollte sie in einem anderen Licht wahrnehmen.

Dragoljub Božin, Vorsitzender des SS BOFOS-Gesetzesausschusses und Rechtsberater und Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz in der Vojvodjanska-Bank, sagt, dass ältere ArbeitnehmerInnen in der Produktivität eines jeden Unternehmens eine solide Unterstützung darstellen. Er weist darauf hin, dass die aktive Mitwirkung von MitarbeiterInnen am Arbeitsschutz die Grundlagen des Erfolgs eines Managementsystems darstellt; andererseits ist der/die ArbeitgeberIn verpflichtet, sich mit den ArbeitnehmerInnen und ihren Vertretern zu beraten und sie in die Betrachtung von Fragen des Arbeitsschutzes zu integrieren. Die Rolle des Arbeitsschutzes ist beratend. Es ist wichtig, mit allen MitarbeiterInnen einen Sicherheitsinstinkt zu schaffen, um die Risiken für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz zu erkennen und das ist die Rolle des Vorstands des Arbeitsschutzes, meint er.

Helena Koren, Psychologin am kroatischen Instituts für Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz, sagt, dass wir eine 24-Stunden-Gesellschaft geworden sind, weil wir dem/der Arbeitgeber/in rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Wenn ein(e) Arbeitnehmer/in ständig psychosozialen Risiken ausgesetzt ist, ist er/sie gleichfalls Stress ausgesetzt. Psychosoziale Risiken gehen über den Inhalt der Beschäftigung hinaus, über Arbeitsintensität, Arbeitsbedingungen, Organisationskultur usw. Burnout ist eine extreme Reaktion auf Stress. Für psychosoziale Risiken ist eine Risikobewertung erforderlich. Stress ist eine subjektive Erfahrung, und deshalb muss die Risikobewertung eine(n) individuelle(n) Arbeitnehmer/in umfassen. Allerdings können Präventionsmaßnahmen nicht umgesetzt werden, wenn der/die ArbeitgeberIn nicht gewillt ist, sagt Helena Koren.

Jovan Protić, Nationaler Koordinator der IAO für Serbien, weist darauf hin, dass Stress die Einzelpersonen unterschiedlich trifft und das es für den/die ArbeitnehmerIn schwierig ist, seine Auswirkungen zu bestimmen und zu behandeln. "Stress verursacht oder erhöht gesundheitliche Probleme. Die wirtschaftlichen und sozialen Kosten von Stress sind sehr hoch".

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